ISEK: Bayreuth hat gesprochen – im Rathaus will man es trotzdem ruhig angehen lassen

Ganze 1.800 mal haben die Bayreuther*innen die Reißzwecke in den Stadtplan gesetzt, um zu markieren, wo es bei uns gut läuft und wo Handlungsbedarf besteht. Die Ergebnisse zeigen: Auch in Bayreuth ist der Wille zu nachhaltigen, fairen Veränderungen deutlich größer, als es die Regierung annimmt.

Das Klima ist kein Verhandlungspartner

In den obersten Etagen des Rathauses, so wird uns berichtet, herrscht die Überzeugung, dass mit Klimathemen aktuell nicht zu punkten ist. Das sehen die Bayreuther*innen aber offensichtlich anders, denn sie haben im Rahmen des ISEK 1.800 mal laut und deutlich mitgeteilt, dass ihnen Verkehrsgerechtigkeit, Hitzeschutz und Nachhaltigkeit sehr wohl am Herzen liegen. Wir GRÜNE erkennen den Wunsch der Bevölkerung an und setzen uns für ihn ein. Und wir sagen: Die Bürger*innen haben gesprochen. Die Zeit für taktierendes Leisetreten beim Natur- und Klimaschutz ist vorbei.

Das ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) ist das zentrale Steuerungsinstrument für eine nachhaltige Stadtentwicklung der nächsten 15 Jahre. Was dort hineingeschrieben wird, soll das Leben in Bayreuth langfristig verbessern. Durch die Beteiligung der Bayreuther*innen nutzt man das Wissen und die Erfahrung derer, die es betrifft. Das finden wir absolut richtig und genauso selbstverständlich.

Das Wissen der Bürger*innen nutzen: Was läuft schon gut?

Was beschäftigt nun die Stadtgesellschaft? Zum einen stellt sich heraus, dass es viel Positives zu berichten gibt. So wird das Stadtgartenamt für seine Arbeit zu Recht gelobt, das Mahdmanagement der Uni findet Anerkennung und die Arbeit von Vereinen wie Die Summer e. V. lieben die Bayreuther*innen besonders. Die konkreten Beispiele zeigen, was möglich ist. Eine nachhaltige, grüne Stadtentwicklung ist keine Utopie, sondern eine in konkreten Schritten umsetzbare Sehnsucht.

Die vorauseilende Erwartungsdämpfung des Rathauses

Warum betreibt die Stadt in ihrer Medienmitteilung Nr. 663 vom 19.8.2026 dann bei den Themen, bei denen sich die Bürger*innen dringend Entlastung wünschen, vorauseilende Erwartungsdämpfung? Da heißt es, „dass nicht jeder auf der Online-Beteiligungsplattform gesetzte Pin und jeder formulierte Wunsch nun zeitnah stadtplanerisch umgesetzt und jeder benannte Missstand sofort behoben werden kann.“ Natürlich wissen wir, dass man eine Stadt nicht über Nacht umbaut und das ISEK ein Leitbild für die nächsten 15 Jahre ist. Aber ein bremsendes Erwartungsmanagement der Stadtverwaltung mit bevormundendem Unterton wird dem Gestaltungswillen der über 1.800 Beiträge nicht gerecht. Anstatt die Euphorie der Bürger*innen in Broschüren zu verwalten, müssen wir diesen Schwung jetzt für beschleunigte Umsetzungen nutzen.

Die Realität lässt sich nicht wegverwalten

Liegt es vielleicht an den überzogenen Ansprüchen der Bayreuther*innen, dass man lieber gleich die Bremse zieht? Wohl kaum, sagen wir und fordern ihren Willen ernstzunehmen! Einen Rückzug in Verwaltungsdetails werden wir nicht still hinnehmen, sondern wo immer es notwendig ist, laut und deutlich anprangern. Denn wer mit Ausblick über die Stadt darüber sinniert, ob man mit einer zügigen, nachhaltigen Stadtentwicklung aktuell bei den Kolleg*innen punkten kann, muss von der Stimme der Menschen aus diesen Träumereien geweckt werden.

Was Bayreuth will

Die Bayreuther*innen fordern unter anderem:

  • echte, klar ausgewiesene Fahrradwege,
  • die Entsiegelung der zahlreichen Betonwüsten,
  • sichere Querungsmöglichkeiten an Kreuzungen und
  • breit angelegte Hitzeschutzmaßnahmen an öffentlichen Plätzen.

Wir stehen hinter diesen und weiteren Forderungen und werden uns für ihre Umsetzung mit ganzer Kraft einsetzen. Denn neben der Stimme der Bürger*innen gibt es mittlerweile eine weitere, die unüberhörbar ist. Es ist die Stimme der Hitze, der Dürre und der Extremwetterlagen. Bayreuth muss einerseits seinen Teil beisteuern, diese abzumildern. Andererseits muss es sich auf das vorbereiten, was nicht mehr aufzuhalten ist. Die Bayreuther*innen machen das deutlich – 1.800 mal.

Hinweis: Alle verwendeten Kartenausschnitte in diesem Artikel sind Screenshots der Beteiligungsplattform mypinion.de (Kartendaten: https://mypinion.de/mypinion/bayreuth/#/survey/5689 © OpenStreetMap-Mitwirkende).

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