Neues gestalten – Gutes erhalten
Unter diesem Leitmotiv treten wir zur Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahl 2026 an.
Bayreuth ist etwas ganz Besonderes: eine Universitäts-, Kultur- und Sportstadt, die Tradition und Moderne, Innovation, wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität verbindet.
Unser Wahlprogramm ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche – mit den Menschen in unserer Stadt, mit unseren Mitgliedern und mit den amtierenden Stadträtinnen und Stadträten. Mit unserer Dialogreihe „Wir wollen zuhören“ haben wir Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Anliegen, Ideen und Prioritäten direkt einzubringen.
Klimawandel und Artensterben sind menschengemacht und bedrohen unsere Lebensgrundlagen, auch in Bayreuth. Für uns sind Klima- und Umweltschutz kein Nebenschauplatz, sondern das zentrale Leitmotiv in allen Politikfeldern. Denn nur so bleibt Bayreuth lebenswert – und nur so können wir die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam aktiv gestalten.
Unser Wahlprogramm
Kapitel 1: Stadtentwicklung und Klimaschutz
Bayreuth wächst, die Anforderungen verändern sich – und wir alle spüren, dass Entscheidungen über Bauen, Verkehr oder Grünflächen unseren Alltag direkt beeinflussen. Stadtentwicklung braucht daher Weitsicht. Sie darf nicht länger vom Zufall oder von kurzfristigen Einzelinteressen abhängen, sondern muss im Sinne aller gestaltet werden.
Dazu gehört ein aktualisierter Flächennutzungsplan, auf dessen Grundlage Verwaltung und Stadtrat gemeinsam die aktuellen Herausforderungen wie Wohnraumschaffung, Verkehrssicherheit, Nachverdichtung, Klimaschutz- und Klimafolgenanpassung bearbeiten. Im Flächennutzungsplan legen sie fest, welche Flächen freigehalten, sinnvoll bebaut oder gegebenenfalls auch zurückgebaut werden. Dabei sollte den Empfehlungen des Beirates für nachhaltige und stadtklimagerechte Planung und Stadtentwicklung (Klimaschutzbeirat) gefolgt werden. Landwirtschaftliche Flächen sind unverzichtbar, damit unsere Landwirtinnen und Landwirte auch künftig eine gesicherte Existenzgrundlage haben und regionale Produkte anbieten können. Ebenso wichtig ist es, bestehende Gewerbe- und Industrieflächen zu sichern. Ohne ausreichend Raum für Betriebe verliert Bayreuth die Chance auf gute Arbeitsplätze. Deshalb gilt es, Gewerbeflächen zu erhalten. Umsiedlungen auf bislang unbebaute Flächen sollten verhindert sowie Grünflächen erhalten und erweitert werden, da sie entscheidend zum Schutz und zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen und die Artenvielfalt sichern.
Es gilt, das bisherige Stückwerk zu beenden. Stadtentwicklung darf nicht nur dann stattfinden, wenn ein Investor anklopft, sondern muss vorausschauend und konsequent im Interesse der Menschen erfolgen. Um kommenden Generationen ausreichend Spielraum für eigene Gestaltung zu lassen, ist es notwendig, dass
die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt und größere, zusammenhängende Flächen erwirbt.
Grünflächen sind mehr als nur ästhetische Orte. Sie verbessern die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen durch frische Luft, Schatten und wohnortnahe Erholungsmöglichkeiten. Gleichzeitig leisten sie einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Hitzeinseln abmildern, Temperaturen senken und helfen,
Extremwetterereignisse – insbesondere Starkregen und Überschwemmungen – besser zu bewältigen. Nicht zuletzt sind sie unverzichtbar für Natur und Artenvielfalt, weil sie mitten in der Stadt Lebensräume für Tiere und Pflanzen sichern.
Bayreuth profitiert von seinen grünen Quartieren, Parks und Landschaftsschutzgebieten.
Grüne Quartiere bewahren: Stadtteile wie Birken und Hammerstatt sind durch ihren hohen Baumbestand und viele Gärten besonders lebenswert. Dieses Grün soll geschützt und dauerhaft erhalten werden.
Parkanlagen pflegen: Unsere großen Parks – Röhrensee, Studentenwald, Festspielpark und Wilhelminenaue – sind Herzstücke der Stadt. Sie müssen kontinuierlich gepflegt und zugleich zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Auch kleinere Grünräume wie das Dammwäldchen oder der Miedelspark dürfen nicht in den Hintergrund rücken.
Klimaanpassung vorantreiben: In besonders hitzebelasteten Quartieren wie St. Georgen sowie in der Innenstadt sind zusätzliche Grüninseln erforderlich. Diese können dauerhaft angelegt oder temporär geschaffen werden, etwa durch mobile begrünte Elemente.
Landschaftsschutzgebiete sichern: Landschaftsschutzgebiete sind strikt von Bebauung freizuhalten. Nur so bleiben Natur und Landschaft langfristig erhalten und können ihren positiven Einfluss auf das Stadtklima verlässlich entfalten.
Bürgerschaftliches und wissenschaftliches Engagement stärken: Der Erhalt und die Erweiterung städtischer Grünräume gelingen am besten, wenn Stadtgesellschaft und Wissenschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Vereine, Initiativen sowie lokale Garten- und Umweltgruppen sollen aktiv in Planung, Pflege und Nutzung urbaner Grünflächen eingebunden werden. Gleichzeitig soll die Stadt die wissenschaftliche Expertise der Universität Bayreuth stärker nutzen. Auch Schulen, Kindergärten und Nachbarschaftsinitiativen können durch Patenschaften, Bildungsprojekte oder Mitmachaktionen einen wichtigen Beitrag leisten, um Grünräume lebendig zu halten und Umweltbewusstsein in der ganzen Stadt zu fördern.
Durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen werden auch in Bayreuth Starkregenereignisse wahrscheinlicher, und es wird auch eine Verschiebung zu mehr und länger anhaltendem Regen im Winter geben. Wir wollen die baulichen Hochwasserschutzmaßnahmen optimieren, aber auch mit einer Schwammstadt-Strategie eine Stadt schaffen, die in der Lage ist, Regen- und Oberflächenwasser verstärkt aufzunehmen, zu versickern und zu nutzen, statt es nur schnell abzuführen.
Gemeinschaftlicher Umbau zur Schwammstadt: Eine klimaangepasste Stadt schaffen wir nur gemeinsam. Mit einer Schwammstadt-Strategie wollen wir Bayreuth so umbauen, dass Regenwasser wieder als Ressource genutzt wird. In Neubau- und Sanierungsgebieten sollen versickerungsfähige Straßenbeläge und Mulden-Rigolen-Systeme dafür sorgen, dass Wasser im Boden gespeichert statt abgeleitet wird. Wir wollen große Plätze wie den Menzel- oder Josephsplatz entsiegeln und durch zusätzlich Begrünung mehr Lebensqualität für Anwohnerinnen und Anwohner schaffen sowie mehr Flächen, in denen Wasser versickern kann. Auf privaten und öffentlichen Grundstücken fördern wir Zisternen, Gründächer und Versickerungsflächen, um Regenwasser lokal zu nutzen und die Kanalisation zu entlasten.
Gleichzeitig wollen wir, wo immer möglich, Regen- und Abwasserkanäle trennen, um Rückstau und Überläufe bei Starkregen zu verhindern. Unsere Parks, Plätze und Grünanlagen sollen so gestaltet sein, dass sie im Extremfall Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben können. So entsteht eine Stadt, die sich an den Klimawandel anpasst – mit mehr Grün, mehr Lebensqualität und besserem Schutz vor Hochwasser.
Renaturierung des Mains: Wir wollen den Main wieder zu einem naturnahen, erlebbaren Fluss machen. Durch die Renaturierung des Flusslaufs entsteht nicht nur mehr Raum für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein attraktiver Aufenthaltsort für Menschen – mit grünen Uferbereichen, Rad- und Spazierwegen sowie Orten zum Verweilen am Wasser.
Damit der Main sich wieder freier entfalten kann, braucht es die beiden noch fehlenden Hochwasserrückhaltebecken. Wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass der Freistaat Bayern diese endlich umsetzt – für mehr Hochwasserschutz, mehr Lebensqualität und einen Main, der unsere Region prägt und verbindet.
Sichere und bezahlbare Energie- und Wasserversorgung ist Grundlage für eine funktionierende Stadt. Insbesondere produzierende Betriebe sind darauf angewiesen, dass Strom, Wärme und Wasser jederzeit verfügbar sind. Die derzeit hohe Trinkwasserqualität für unsere Bürgerinnen und Bürger werden wir auch weiterhin erhalten. Die Stadtwerke Bayreuth müssen die Energiewende vorantreiben. Wichtig ist, dass wir dabei alle Akteure einbeziehen – Stadt, Landkreis, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Bayreuth energieunabhängiger und klimafreundlicher wird. Wir müssen
festlegen, wo erneuerbare Energie nachhaltig und sicher produziert werden kann – für eine stabile und unabhängige Versorgung.
Erneuerbare Energie ausbauen: Mehr Eigenstromerzeugung durch Solardächer, Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft – auch in Kooperation mit dem Landkreis und den umliegenden Gemeinden.
Ausbau von Energiespeicherkapazitäten: Die erneuerbaren Energien sind Schwankungen unterworfen, für die es aber mit bundesweit zahlreichen Anträgen für Energiespeicher privat finanzierte Lösungen gibt. Wir wollen den nötigen Netzausbau voranbringen, sodass in Bayreuth solche Projekte schnell genehmigt werden können. Zusätzlich wollen wir, dass in der Nähe von großen Photovoltaikanlagen entsprechende Projekte durch die Stadtwerke initiiert werden, um die Energiewende vor Ort voranzubringen und die Energieversorgung für alle zu stabilisieren.
Zugang zu sauberer Mobilität für alle: Die Nachfrage nach batterieelektrischen PKW und LKW in Deutschland wächst stetig. Um den Umstieg auf Elektromobilität für alle Bürgerinnen und Bürger in Bayreuth zu erleichtern, schaffen wir zusätzliche Ladepunkte, insbesondere für Menschen ohne wohnungsnahe Lademöglichkeiten. Schnellladestationen werden gezielt in der Nähe von Autobahnausfahrten errichtet, um Erzeugungsspitzen aus Photovoltaik optimal zu nutzen. LKW sollen während gesetzlich vorgeschriebener Lenkpausen durch attraktive Strompreise gezielt zum Laden zu Zeiten hoher Stromerzeugung motiviert werden. An Ladestationen der Stadtwerke Bayreuth wird Strom zu fairen, transparenten Preisen angeboten. Diese können ohne vorherige Anmeldung genutzt werden. So sorgen wir für eine gerechte, klimafreundliche und leicht zugängliche Ladeinfrastruktur.
Bürgerinnen und Bürger beteiligen: Wir unterstützen Energiegenossenschaften, zum Beispiel die BayTEG, damit alle von der Energiewende profitieren können.
Wärmeversorgung modernisieren: Das innerstädtische Fernwärmenetz soll ausgebaut, dezentrale Quartierswärme gefördert und Wohnungseigentümerschaften bei der Modernisierung z.B. durch Contracting-Modelle der Stadtwerke unterstützt werden.
Neubauten klimaneutral planen: Neue Quartiere müssen von Beginn an CO₂-neutral ausgelegt sein.
Kommunale Gebäude sanieren: Der Energiebedarf öffentlicher Einrichtungen ist durch schnelle Sanierungen deutlich zu senken – die Stadt soll hier beispielhaft vorangehen.
Wir wollen Leerstände abbauen, neue Nutzungen ermöglichen und die Innenstadt durch Begrünung, Klimaschutz- und Aufenthaltsmaßnahmen dauerhaft beleben und so langfristig mehr Lebensqualität schaffen. Die Bürgerinnen und Bürger sollen ihre Stadt dabei mit eigenen Ideen, Projekten und Initiativen mitgestalten können und dazu ermutigt und unterstützt statt ausgebremst werden. Dazu gehört, Initiativen wie das Klimaportal Bayreuth oder das Bündnis für Klima- und Artenschutz zu unterstützen und zu stärken. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass mehr Vertreterinnen und Vertreter der für den Klimaschutz organisierten Zivilgesellschaft als bisher Mitglied im Klimabeirat werden können. Das Gremium soll regelmäßiger als bisher tagen, themenübergreifend zu Klima- und Artenschutz sowie Klimaanpassung arbeiten, umsetzungsorientiert ausgerichtet sein und eigenständig Impulse und Stellungnahmen liefern können.
Leerstände beenden: Die aktuellen Leerstände in Bayreuth schwächen die Innenstadt, verhindern Handel, Kultur und Wohnen und führen dazu, dass ganze Straßenzüge an Attraktivität verlieren. Dem werden wir mit klaren Regeln und Maßnahmen begegnen. Bleiben Laden- oder Gewerbeflächen länger als zwölf Monate leer, soll eine Abgabe fällig werden, deren Höhe sich an den durchschnittlichen Gewerbemieten orientiert. Die Inhaber von „kleinem Immobilieneigentum“, die trotz Unterstützung durch unsere Wirtschaftsförderung innerhalb dieser Frist ihre Flächen nicht vermieten können, sind zunächst von der Abgabe befreit. Mit diesen Mitteln finanzieren wir Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt – etwa für einen Innenstadtfonds, die Förderung von Pop-up-Stores oder Kulturinitiativen, von denen alle profitieren.
Pop-up-Bayreuth: Leerstehende Flächen sollen kurzfristig – für Zeiträume von drei bis zwölf Monaten – kostengünstig für kreative und wirtschaftliche Nutzungen geöffnet werden, anstatt ungenutzt zu bleiben. Bevorzugt werden sollen nachhaltige Projekte und Projekte aus der Zivilgesellschaft. Die Stadt soll dabei die Koordination übernehmen: Sie soll geeignete Flächen vermitteln, bei der Bewerbung unterstützen, kleine Umbauten organisieren und sorgt für die Nutzung von Schaufenstern zur Belebung der Innenstadt sorgen. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen von geringeren Leerstandskosten und der Chance auf eine dauerhafte Vermietung profitieren. Quartiersmanagement und Wirtschaftsförderung sollen den Prozess begleiten und helfen bei der Einwerbung von Fördermitteln und Sponsoring.
Innenstadtfonds: Für die nachhaltige Entwicklung der Innenstadt braucht es ein dauerhaftes Finanzierungsinstrument, das sowohl kleine Maßnahmen als auch größere Impulse ermöglicht. Wir schlagen deshalb die Einrichtung eines Innenstadtfonds vor, der gemeinschaftlich von der Stadt, den Händler:innen, den Immobilieneigentümer:innen und den ortsansässigen Sponsor:innen getragen wird.
Der Innenstadtfonds soll sowohl kleinere Maßnahmen wie zusätzliche Begrünung, Beleuchtung, Möblierung oder temporäre Aktionen finanzieren als auch Kultur- und Eventformate in der Innenstadt ermöglichen – von Stadtfesten über Straßenkunst bis hin zu Musik- und Themenabenden in Kooperation mit ortsansässiger Gastronomie und ortsansässigem Handel. Gleichzeitig stärkt der Innenstadtfonds Stadtmarketing und Außendarstellung durch gemeinsame Kampagnen und ein einheitliches Branding.
Die Umsetzung erfolgt gemeinschaftlich: Händler:innen, Eigentümer:innen und Stadt arbeiten zusammen und können Maßnahmen so schneller realisieren. Über die Vergabe der Mittel entscheidet ein unabhängiger Beirat, in dem Wirtschaftsförderung, Handel, Gastronomie, Immobilienwirtschaft und Kultur vertreten sind. Ein Fondsmanagement koordiniert die Anträge, prüft Förderungen und gewährleistet Transparenz durch öffentliche Jahresberichte. Die Mittelverwendung folgt dabei klaren Kriterien: Gefördert werden ausschließlich Maßnahmen, die einen erkennbaren Mehrwert für die Innenstadt schaffen.
Darüber hinaus wird die lokale Gastronomie gezielt gestärkt. Anstelle externer Veranstaltungspakete übernehmen künftig die Gastronomie und Einzelhandel selbst die Ausrichtung von Festen wie dem Weinfest oder der Festa Italica. Um die einheimische Gastronomie zu entlasten, senken wir bei städtischen Veranstaltungen wie dem Bürgerfest die Sondernutzungsgebühr, während sie für externe Anbieter:innen entsprechend angehoben wird.
Klimatische Verhältnisse verbessern: Mit gezielten Maßnahmen reagieren wir wirksam auf die zunehmende Hitzebelastung und steigern die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Ein dichtes Netz an Trinkbrunnen, Refill-Stationen, Nebelanlagen und kleinen Wasserspielen auf stark frequentierten Plätzen sorgt für spürbare Abkühlung. Ergänzend schaffen mobile Grünmodule, Cooltainer, zusätzliche Bäume und Pocket-Parks mehr Schatten und verbessern das Stadtklima nachhaltig. Darüber hinaus fördern wir die Fassadenbegrünung an privaten wie auch an öffentlichen Gebäuden, um Kühlung, Luftqualität und das Stadtbild gleichermaßen
zu verbessern.
Innerstädtische Verkehrsplanung: Wir ordnen den ruhenden Verkehr, indem der Autoverkehr fair gesteuert und der Radverkehr geordnet wird. Ein digitales Parkleitsystem erleichtert die schnelle Suche nach freien Stellplätzen, während an den Innenstadtrandlagen günstigere Parkgebühren Anreize für eine Entlastung der Kernbereiche schaffen. Gleichzeitig bauen wir die Infrastruktur für den Radverkehr aus: Mehr und besser ausgestattete Fahrradabstellmöglichkeiten sowie eine optimierte Rad- und Fußwegeführung erhöhen die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden. Zur Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit kontrollieren Polizei und Ordnungsamt regelmäßig die Ein- und Ausfahrten in die Fußgängerzone sowie den Radverkehr innerhalb dieser Zone. Weitere Maßnahmen siehe Kapitel 2 ‚Mobilität und Verkehr‚.
Sicherheit und Sauberkeit: Trotz rückläufiger Zahlen an Straftaten in der Stadt Bayreuth haben viele Bürger:innen ein sinkendes Sicherheitsgefühl, auch geschürt durch falsche Narrative. Wir wollen in Bayreuth die Sauberkeit und die Sicherheit weiter erhöhen und dazu gezielt Maßnahmen umsetzen.
Dazu gehört die Umrüstung auf moderne LED-Beleuchtung, die eine bessere Ausleuchtung dunkler Orte ermöglicht und damit Angsträume beseitigt. Über eine Bayreuth-App können Verunreinigungen unkompliziert gemeldet werden, sodass diese schneller beseitigt werden können. An zentralen Orten installierte SOS-Knöpfe schaffen im Notfall eine direkte Verbindung zur Notrufzentrale. Ergänzend leisten regelmäßige Rundgänge von Streetworkern, insbesondere im Bereich von ZOH, Stadtparkett und Höhenweg an der Stadtmauer, einen wichtigen Beitrag zur Konfliktprävention und stärken das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum.
Kapitel 2: Mobilität und Verkehr
Mobilität betrifft uns alle – ganz gleich, ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder in der Freizeit. Unser Verkehrssystem muss den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen in Bayreuth gerecht werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen schnell und zuverlässig ans Ziel kommen, Schülerinnen und Schüler sollen sicher und selbstständig zur Schule gelangen, am besten ohne Elterntaxis. Pendlerinnen und Pendler aus dem Umland brauchen genauso ein verlässliches Verkehrsnetz wie diejenigen, die täglich aus Bayreuth herausfahren.
Kinder, Jugendliche und Familien, Studierende und Alleinstehende, Arbeitnehmer:innen und Selbstständige, Seniorinnen und Senioren haben jeweils eigene Anforderungen an ein funktionierendes Verkehrssystem. Für alle und insbesondere für Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, wollen wir Teilhabe und Mobilität im Alltag ermöglichen. Personengruppen, die auf das Auto angewiesen sind, wie z.B. Handwerker:innen, ambulanten Pflegediensten oder Lieferdiensten, wollen wir ein schnelleres Vorankommen auf der Straße ermöglichen, indem wir anderen Verkehrsteilnehmenden dazu Alternativen eröffnen, die insgesamt weniger Platz im städtischen Verkehrskonzept einnehmen, mit denen man trotzdem genauso schnell und sicher ans Ziel gelangt. Das erarbeitete Mobilitätskonzept sehen wir als gute Grundlage. Auf dieser Basis wollen wir jetzt konkrete Ideen umsetzen und den Verkehr in Bayreuth so weiterentwickeln, dass er auf die Bedürfnisse aller eingeht und dabei gleichzeitig sicherer und klimafreundlicher wird.
Beim ADFC-Fahrradklimatest 2024 kam Bayreuth nur auf Platz 39 unter Städten vergleichbarer Größe, mit der Note 3,89. Das zeigt: Es gibt noch viel zu tun. von Städten wie Tübingen oder Münster sind wir noch weit entfernt, um aufzuschließen und eine moderne und fahrradfreundliche Stadt zu werden, wollen wir wichtige Veränderungen anstoßen. Wer in Bayreuth zur Arbeit oder Uni radeln möchte, steht oft vor Hindernissen: Zu viele kombinierte Fuß- und Radwege bremsen den Verkehr aus. Wichtige Ziele wie die Industriegebiete Nord und Wolfsbach sind mit dem Rad schwer erreichbar, hier wollen wir das Radwegenetz verbessern. Auch viele Schulen sind mit dem Rad nur über Umwege zu erreichen, diese Wege müssen sicherer und direkter werden.
Wir planen innerstädtische Radschnellwege, die baulich von Fußverkehr getrennt sind, sowie durch intelligente Verkehrsplanung möglichst selten den Straßenverkehr kreuzen. Wo sich Kreuzungen nicht vermeiden lassen, sollen Querungshilfen geschaffen werden oder bei gering befahren Straßen der Radverkehr Vorrang erhalten. Dies schafft schnelle und sichere Verbindungen, ermöglicht es Familien auf das Elterntaxi zu verzichten und Kinder und Jugendliche gewinnen Selbstständigkeit und Mobilität. Unser Ziel: sichere und konfliktfreie Radwege zwischen allen Stadtteilen, insbesondere zu Schulen, Uni, Innenstadt und Industriegebieten.
Zur Modernisierung und auch zur Sicherheit wollen wir beitragen, indem schlecht ausgeleuchtete Teilstrecken einfach und unbürokratisch durch eine digitale Anwendung gemeldet werden können. Radwege sollen auch im Herbst und Winter sicher befahrbar sein und deswegen ganzjährig betreut werden. Moderne Gehwege integrieren Barrierefreiheit: Leitsysteme für blinde Menschen, abgesenkte Bordsteine und ausreichend Platz für sich begegnende Rollatoren und Rollstühle werden bei Um- oder Neubauten sichergestellt. Bei jedem Umbau holen wir die Expertise des Behindertenbeirats und von Selbsthilfegruppen ein, damit niemand übersehen wird.
In den letzten Jahren hat sich beim Busverkehr in Bayreuth einiges getan: Eine neue Direktlinie verbindet die Universität mit dem Bahnhof, Gelenkbusse schaffen mehr Platz und Komfort, und viele Haltestellen wurden barrierefrei umgebaut. Das sind wichtige erste Schritte – doch wir wollen den öffentlichen Nahverkehr noch stärker machen und konsequent weiterentwickeln.
Wir greifen Initiativen der Studierenden auf und wollen die Standorte der Universität im Industriegebiet Nord direkt an den Campus anbinden. Gemeinsam mit Bayreuther Unternehmen prüfen wir, ob es zu bestimmten Zeiten – etwa zu Schichtwechseln – Bedarf für Expressbuslinien in die Industriegebiete gibt. Denn gerade Zeit ist oft der entscheidende Faktor, der Menschen vom Umstieg auf den Bus abhält. Wir treiben den barrierefreien Ausbau der Haltestellen weiter voran. Besonders am Bahnhofsvorplatz besteht Handlungsbedarf: Wir fordern die Stadtverwaltung auf, sich für eine zukunftsfähige Umgestaltung einzusetzen. Wir unterstützen die Entscheidung der Stadtwerke Bayreuth, künftig auf E-Busse zu setzen. Dafür müssen Ladepunkte geschaffen und die Fahrzeugflotte modernisiert werden, wofür wir die Unterstützung von Förderprogrammen des Bundes und des Freistaats aktiv wahrnehmen wollen. E-Busse machen unsere Stadt leiser, sauberer und lebenswerter. Sie bieten zudem mehr Komfort: eine ruhigere Fahrt und kleine Extras wie USB-Ladeanschlüsse. So wird der Stadtbus zur attraktiven Alternative für immer mehr Menschen.
Immer mehr Menschen, besonders Studierende und junge Familien, wollen heute flexibel mobil sein, ohne ein eigenes Auto besitzen zu müssen. Hohe Kosten für Sprit, Versicherung und Werkstatt sind für viele ohnehin ein Problem. Doch manchmal braucht man trotzdem ein Fahrzeug, etwa für den Wocheneinkauf oder den Umzug. Deshalb wollen wir in allen Bayreuther Stadtteilen sogenannte Mobilitätsstationen schaffen. Dort sollen Bürgerinnen und Bürger Carsharing-Angebote nutzen oder ein Lastenrad ausleihen können, zum Beispiel für Getränkekisten oder Werkzeug. Auch in der Innenstadt sollen Bikesharing-Stationen entstehen, die besonders Touristinnen und Touristen ein einfaches und klimafreundliches Fortkommen ermöglichen.
Bei Fahrrädern und Lastenrädern setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit dem VGN: Die dort angebotenen Bikesharing-Freiminuten für Deutschlandticket-Nutzerinnen und -Nutzer sollen auch in Bayreuth gelten. So schaffen wir ein vernetztes, bezahlbares und modernes Mobilitätsangebot für alle.
Wir wollen die Bayreuther Innenstadt sicherer, übersichtlicher und stressfreier machen – für alle, die hier zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus oder dem Auto unterwegs sind. Sichere Kreuzungen für den Radverkehr und zusätzliche, überdachte Fahrradstellplätze am Eingang der Fußgängerzone sollen dafür sorgen, dass Radfahrende ihre Räder bequem und geschützt abstellen können. Diese Stellplätze sollen auch bei Veranstaltungen auf dem Stadtparkett bestehen bleiben, damit das Abstellen der Räder nicht zum Problem wird. So reduzieren wir den Radverkehr innerhalb der Fußgängerzone und vermeiden Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr. Gleichzeitig wollen wir den Autoverkehr in der Innenstadt besser steuern: Gestaffelte Parkgebühren sollen dazu anregen, Fahrzeuge in den Randlagen abzustellen. Ein digitales Parkleitsystem, etwa über Anzeigetafeln oder eine App, soll die Suche nach freien Stellplätzen deutlich erleichtern. Gemeinsam mit dem Landkreis prüfen wir zudem neue Park-&-Ride-Systeme, um den Verkehr im Zentrum weiter zu entlasten. Unser Ziel ist eine Innenstadt, die für alle gut erreichbar bleibt: lebendig, sicher und frei von Stau.
Mobilität endet nicht an der Stadtgrenze. Ein großer Teil des Verkehrs in Bayreuth entsteht durch Pendlerinnen und Pendler, Lieferverkehr und Besucher aus dem Umland. Deshalb wollen wir Stadt und Landkreis stärker miteinander vernetzen. Eine gemeinsame Verkehrsplanung mit dem Landkreis und der Ausbau des Bahnverkehrs können den innerstädtischen Verkehr deutlich verringern, das bedeutet weniger Stau, weniger Lärm und sauberere Luft. Schnelle und zuverlässige Zugverbindungen sind außerdem ein echter Standortvorteil: Sie machen Bayreuth für Unternehmen, Studierende und Touristinnen und Touristen gleichermaßen attraktiver.
Bayreuth darf nicht auf dem Abstellgleis landen: Seit Jahrzehnten wartet Bayreuth auf die Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Nürnberg, zu lange. Durch Versäumnisse der Vergangenheit ist die Verbindung derzeit bis mindestens Mitte 2026 gesperrt, und das darf sich nicht wiederholen. Wir setzen uns dafür ein, dass die jetzt von Bund und Land zugesagten Ausbauten der Strecke für das Jahr 2030 umgesetzt werden, hin zu einer zweigleisigen, elektrifizierten Strecke. Dafür müssen Planung und Genehmigung in Bayreuth zügig vorangebracht und die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Landkreisen intensiviert werden. Gleichzeitig erwarten wir von der Landes- und Bundespolitik Einhaltung und Tempo bei der Umsetzung. Unser Ziel ist eine zuverlässige und moderne Anbindung an den Fernverkehr in Nürnberg. Das stärkt Bayreuth als Wirtschafts- und Hochschulstandort, verkürzt Pendelzeiten und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Und es sorgt dafür, dass die erste Visitenkarte für Besucherinnen und Besucher unserer Stadt nicht länger veraltete Dieselzüge sind, sondern moderne, klimafreundliche Verbindungen.
Integration der Radwege des Landkreises: Der Landkreis Bayreuth hat in den vergangenen Jahren viele Radwege modernisiert, etwa die Strecke von Obernsees nach Eckersdorf, die von dort weiter nach Bayreuth führt, oder den Ausbau der Verbindung nach Kulmbach. Diese Entwicklungen sind ein wichtiger Schritt für klimafreundliche Mobilität in unserer Region. Doch viele Radfahrende aus den Nachbargemeinden erreichen die Stadtgrenze deutlich schneller als ihr eigentliches Ziel in Bayreuth von der Stadtgrenze aus. Wir wollen das ändern: Gemeinsam mit dem Landkreis setzen wir uns dafür ein, dass alle überregionalen Radwege nahtlos an wichtige Punkte in der Stadt angebunden werden, an die Innenstadt, die Schulen, die Universität, die Industriegebiete und die Sportstadien. So wird der Umstieg aufs Rad auch für Pendlerinnen und Pendler aus dem Umland attraktiver. Weniger Autos in der Stadt bedeuten weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Platz für alle. Und gerade im Sommer kann eine gute Radverbindung aus dem Landkreis viele Menschen zu einem Ausflug in die Bayreuther Innenstadt motivieren, das stärkt auch den lokalen Einzelhandel und die Gastronomie.
Kapitel 3: Wohnen und Bauen
Bayreuth braucht bezahlbaren Wohnraum – aber das darf nicht automatisch bedeuten, dass immer neue Flächen versiegelt werden. Natur, Landwirtschaft und Grünräume sind zu wertvoll, um sie für flächenfressenden Siedlungsbau am Stadtrand zu opfern. Stattdessen müssen wir die Chancen nutzen, die bereits in unserer Stadt vorhanden sind.
Konkret bedeutet das:
- Aufstocken von Bestandsgebäuden: Wo es statisch möglich ist, können zusätzliche Stockwerke neuen Wohnraum schaffen.
- Dachgeschosse ausbauen: Viele Dächer bieten Platz für zusätzliche Wohnungen.
- Parkplätze überbauen: An geeigneten Stellen können Stellflächen mit Wohnraum kombiniert werden.
- Eingeschossige Bauten vermeiden: Jede Baufläche sollte effizient genutzt werden.
- Nutzungsänderungen ermöglichen: Aus Büroflächen, Läden oder leerstehenden Gebäuden können neue Wohnungen entstehen.
- Städtische Grundstücke nur noch auf Basis von Erbbaupacht vergeben: Dies sichert kontinuierliche Einnahmen für die Stadt und erhält Handlungsspielräume für künftige Generationen.
- Ausbau der kostenlosen, Gewerke neutralen Energieeinspar-Beratung für private Eigentümerinnen und Eigentümer: Denn wer Unterstützung erhält, traut sich eher, im Bestand zu sanieren.
- Stärkung unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEWOG: durch die Überlassung von städtischen Flächen auf Erbbaupachtbasis.
- Mehr Unterstützung und Beratung von Genossenschaften, alternativen Wohnmodellen und Projektgesellschaften.
- Die Errichtung von Wohnraum – sowohl gefördertem als auch frei finanziertem – soll durch zügigere Genehmigungsverfahren und einen serviceorientierten Ansatz beschleunigt werden.
- Passende Wohnkonzepte für alle Generationen: Von Wohnheimen für Auszubildende und Studierende, über Mehrgenerationenhäuser bis hin zu inklusivem Wohnen – Bayreuth muss vielfältige Wohnmodelle fördern.
- Stärkung innerstädtischer Quartiere statt Zersiedlung am Stadtrand: kurze Wege
- Regelmäßige Fortschreibung des qualifizierten Mietspiegels: Garant für faire Mieten auf beiden Seiten.
- Zweckentfremdung von Wohnraum verhindern: Bayreuth soll mit einer entsprechenden Satzung gegen unzulässige Nutzungen vorgehen und so die Wohnungsnot eindämmen.
- Spekulativen Leerstand verhindern: Die Stadt soll ihre Möglichkeiten ausschöpfen und ein Bußgeld bei Leerständen von mehr als zwölf Monaten in Aussicht stellen.
Fester Wohnraum als erster Schritt in die Teilhabe: Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, benötigen zunächst Sammelunterkünfte als erste Anlaufstelle. Entscheidend ist jedoch, dass sie möglichst schnell eine feste und eigene Wohnung erhalten. Erst dadurch eröffnen sich reale Chancen auf Arbeit, soziale Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe. Dieses Prinzip des Housing First wollen wir in Bayreuth konsequent verfolgen.
Housing First hat sich in vielen europäischen Städten bewährt, weil es nicht nur menschlicher ist, sondern mittelfristig auch Kosten spart. In Bayreuth soll die GEWOG hierfür Wohnungen bereitstellen, während die Stadt durch gezielte Sozialarbeit unterstützt und begleitet.
Mehr Plätze im Frauenhaus: Die Stadt Bayreuth soll gemeinsam mit den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach die Zahl der Frauenhausplätze nach den Vorgaben der Istanbul-Konvention deutlich ausbauen. Diese schreibt mindestens einen Platz pro 10.000 Einwohnerinnen und
Einwohner vor. Um diesem Standard gerecht zu werden, wollen wir zusätzliche Plätze schaffen und ihre dauerhafte Finanzierung sicherstellen. Frauen und ihre Kinder müssen im Notfall sofort einen geschützten Zufluchtsort finden – ohne Wartelisten und ohne Verweis in eine andere Stadt.
Ergänzend soll das bestehende Hilfsangebot durch „Second Stage“ erweitert werden. Dieses Angebot unterstützt Frauen gezielt bei der Suche nach Übergangswohnungen oder Anschlusswohnraum und erleichtert so den Schritt in ein dauerhaft eigenständiges Leben.
Kapitel 4: Wirtschaft und Finanzen
Bayreuth ist ein bedeutender Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Zahlreiche große, mittelständische und kleine Unternehmen – von Start-ups über Familienbetriebe bis hin zu international agierenden Konzernen – haben hier ihren Sitz. Gemeinsam mit der Universität, den Neuen Materialien und den Fraunhofer-Instituten finden sie bestmögliche Rahmenbedingungen, um Innovation und nachhaltiges Wachstum zu fördern. Ein stabiler Gewerbesteuerhebesatz schafft dabei verlässliche Planungssicherheit.
Erst der Inhalt, dann das Gebäude. Dem Regionalen Gründer- und Innovationszentrum standen wir insbesondere im Hinblick auf den großen Innovationsteil kritisch gegenüber, da völlig unklar war, wer die Nutzerinnen und Nutzer sein sollen, und welches Angebot diese erhalten sollten. Um
Gründerinnen, Gründer und Start-ups bestmöglich zu unterstützen, brauchen wir ein schlüssiges Konzept. Nur so kann das Regionale Gründer- und Innovationszentrum (RIZ) die Erwartungen erfüllen, die Gründerinnern, Gründer, Unternehmen, Universität und Bevölkerung damit verknüpfen. Neben modernen Büroräumen und Working Spaces müssen Beratung, Austausch und Wissensvermittlung zu unternehmerischen Themen und zur Information über die aktuelle
Fördermittellandschaft stattfinden. Das RIZ muss Raum für Transformation und Innovation bieten: nachhaltig, fair, sozial und zukunftsfähig. Als Plattform für den Wandel wäre auch das forum1.5 eine Bereicherung für das RIZ.
Stärkung des Bayreuther Gründerökosystems: Lokale und regionale Partner eröffnen
Gründerinnen und Gründern gezielten Zugang zu Fachwissen, Branchenkontakten und Innovationsförderung. Sie engagieren sich durch Partnerschaften und Sponsoring. Ergänzend bieten Mentoring-Programme, Unternehmerinnen-Stammtische und Patenschaften mehr Sichtbarkeit, stärkere Netzwerke und konkrete Unterstützung. So entsteht eine vielfältige Gründerkultur mit echten Chancen für alle – mit besonderem Augenmerk auf Female Founders.
Die städtische Wirtschaftsförderung fungiert dabei als zentrale Schnittstelle zwischen Unternehmen, Universität, Start-ups, Handwerk und Stadt. Unternehmen finden so schneller den richtigen Ansprechpartner. Durch den konsequenten Einsatz digitaler Prozesse wird die Verwaltung verschlankt, Abläufe werden einfacher und schneller. Neben der Bestandspflege liegt der Schwerpunkt auf der Unterstützung von Technologie-Start-ups, nachhaltigen Geschäftsmodellen und der Begleitung bei Unternehmensnachfolgen. Dabei arbeitet die Stadt eng mit der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth sowie mit der Handwerkskammer für Oberfranken zusammen.
Pop-up-Stores, Co-Working-Angebote oder die Umnutzung leerstehender Flächen bilden einen wesentlichen Baustein der städtischen Wirtschaftsförderung (siehe Kapitel 1.5)
Kultur ist ein zentraler Standortfaktor für Bayreuth. Die lebendige Kulturszene zieht Menschen an, stärkt die Attraktivität der Stadt und schafft zugleich wirtschaftliche Impulse. Ihre Förderung macht Bayreuth noch lebenswerter. Tourismus wirkt dabei als Brücke: Besucherinnen und Besucher bringen Wertschöpfung für Hotellerie, Gastronomie und Handel und tragen so unmittelbar zur Stärkung der städtischen Wirtschaft bei.
Regionales Handwerk stärken: Es sollen alle Möglichkeiten bei Ausschreibungen genutzt werden, um Baustoffe, Lebensmittel und andere Produkte möglichst regional zu beziehen. Das stärkt die heimische Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze, sorgt für kurze Wege und schont gleichzeitig das Klima. Der Ersatzneubau der Gewerblich-Technischen Berufsschule schafft zudem eine hervorragende Basis, um das Handwerk langfristig zu stärken – für Auszubildende
und die Betriebe selbst.
Entlastung der Verwaltung: Noch vorhandene Einsparpotenziale müssen gehoben werden, um zusätzliche Spielräume zu schaffen. Anträge und Behördengänge sollen einfacher und schneller online erledigt werden können, ohne auf persönliche Beratung zu verzichten.
Modern gestaltete Arbeitswelt in der Stadtverwaltung: Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Job-Sharing und neue Formen der Zusammenarbeit müssen erprobt werden. Teamarbeit und offene Fehlerkultur sollen Standard werden. So schaffen wir ein Klima des Vertrauens, sind als Verwaltung gemeinsam erfolgreich und als Arbeitgeberin interessant.
Die Stadt Bayreuth belegt im deutschlandweiten Vergleich einen sehr guten Platz, was aber auf vielen Einzelmaßnahmen beruht. Uns reicht es nicht, wenn man Dokumente nur online ausfüllen kann, dann aber trotzdem noch ausdrucken und unterschreiben muss. Der elektronische Ausweis, die sogenannte Ausweis-App muss hier viel stärker genutzt werden, um Prozesse zu vereinfachen und bürgerfreundlicher zu machen. Die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden muss erhöht werden, damit wir analoge Prozesse ersetzen und vollständig digitalisieren. Wir wollen den Austausch mit größeren Städten wie Nürnberg, die ein eigenes Amt für Digitalisierung und IT haben, fördern. In allen Städten müssen ähnliche Prozesse neu strukturiert werden, hier gilt es sich über gelungene Umstellungen auszutauschen und diese auf das eigene System passend anzuwenden. Der Einsatz von KI in der Verwaltung unterliegt hohen gesetzlichen Regulierungen, wie dem EU AI Act. Die Vorteile digitaler Lösungen sollen hervorgehoben werden, dass sie Barrieren abbauen kann, indem sie schwierige Texte erklärt, oder Prozesse optimieren und erleichtern kann. Bei allen Änderungen muss der Mensch im Mittelpunkt stehen, unser Motto ist hier ‚Human Centered AI‘. Außerdem muss eine sorgfältige Abwägung zwischen Kosten und Nutzen erfolgen, der hohe Ressourcenverbrauch von künstlicher Intelligenz muss immer mitbedacht werden.
Einnahmen erhöhen: Durch die Einführung einer Zweitwohnungssteuer, einer Tourismus- und Verpackungssteuer, sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen vorliegen, die Neugestaltung der Parkraumbewirtschaftung und eine maßvolle Überarbeitung der städtischen Gebührensatzungen erzielen wir höhere Einnahmen. Zudem wollen wir noch stärker mit lokalen Unternehmen kooperieren, die durch Sponsoring kulturelle, sportliche oder soziale Projekte unterstützen.
Finanzreferat stärken: Mit zwei zusätzlichen Stellen, die im Kämmereiamt angesiedelt sind, wollen wir die Fördermittelakquise auf EU-, Bundes- und Landesebene intensivieren und auch Stiftungs- und KfW-Mittel stärker ausschöpfen als bisher.
Innovative Finanzierungsinstrumente: Mit Green Bonds und kommunalen Schuldscheinen können wir gezielt Projekte finanzieren, die Bayreuth klimafreundlicher machen – etwa energetische Sanierungen, den Ausbau erneuerbare Energien oder die Begrünung der Innenstadt.
Ausgaben senken: Senkung der Kosten im laufenden Betrieb durch zügige energetische Sanierung der städtischen Liegenschaften und digitale Steuerungssysteme. Auf Grund des demografischen Wandels oder Fluktuation freiwerdende Stellen kritisch prüfen, ohne dabei bestehende Strukturen zu gefährden.
Darüber hinaus wollen wir über die Stadtwerke Bürgeranleihen anbieten. Damit können die Menschen in Bayreuth direkt in die lokale Energiewende investieren – etwa in Photovoltaikanlagen oder Speichertechnologien. Das schafft einen doppelten Effekt: Die Stadtwerke stärken ihre Eigenkapitalbasis, während die Bürgerinnen und Bürger von den Erträgen profitieren und sich zugleich stärker mit ihrer Stadt und den Stadtwerken identifizieren.
Wirtschaftsmodelle, die gezielt das Wohl von Menschen und Umwelt in den Mittelpunkt stellen, sollen z.B. durch Beratung und Vermittlung von geeigneten Räumlichkeiten unterstützt werden. Dazu gehört, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, Unternehmen in die Lage zu versetzen nachhaltige Produktionsmethoden einzuführen und mit Reparaturangeboten die Ressourcen zu schonen. Außerdem sollten Sharing- und Tauschangebote geschaffen und unterstützt werden. Des Weiteren gilt es, regionale Wirtschaftskreisläufe und lokale Wertschöpfung zu stärken und Unternehmen und Initiativen dafür zu vernetzen.
Kapitel 5: Kinder, Jugend und Schule
Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Damit Kinder und Jugendliche in Bayreuth die besten Chancen auf Betreuung und Bildung erhalten, müssen unsere Schulen ausgebaut und modernisiert, Betreuungslücken geschlossen und mehr Räume für Jugendliche geschaffen werden.
Durch einen aktiven Austausch mit allen Trägern der Kindertagespflege sowie den in Bayreuth tätigen Tagesmüttern wollen wir eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung auch zu Randzeiten sicherstellen. Damit schaffen wir Planungssicherheit für Eltern und fördern zugleich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit unseren Maßnahmen wollen wir es den Eltern erleichtern, nach einer Auszeit in den Beruf zurückzukehren. Wichtig ist uns dabei die Gleichbehandlung von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege durch Tagesmütter und Tagesväter.
Bayreuth profitiert von seinen grünen Quartieren, Parks und Landschaftsschutzgebieten.
Grüne Quartiere bewahren: Stadtteile wie Birken und Hammerstatt sind durch ihren hohen Baumbestand und viele Gärten besonders lebenswert. Dieses Grün soll geschützt und dauerhaft erhalten werden.
Parkanlagen pflegen: Unsere großen Parks – Röhrensee, Studentenwald, Festspielpark und Wilhelminenaue – sind Herzstücke der Stadt. Sie müssen kontinuierlich gepflegt und zugleich zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Auch kleinere Grünräume wie das Dammwäldchen oder der Miedelspark dürfen nicht in den Hintergrund rücken.
Klimaanpassung vorantreiben: In besonders hitzebelasteten Quartieren wie St. Georgen sowie in der Innenstadt sind zusätzliche Grüninseln erforderlich. Diese können dauerhaft angelegt oder temporär geschaffen werden, etwa durch mobile begrünte Elemente.
Landschaftsschutzgebiete sichern: Landschaftsschutzgebiete sind strikt von Bebauung freizuhalten. Nur so bleiben Natur und Landschaft langfristig erhalten und können ihren positiven Einfluss auf das Stadtklima verlässlich entfalten.
Bürgerschaftliches und wissenschaftliches Engagement stärken: Der Erhalt und die Erweiterung städtischer Grünräume gelingen am besten, wenn Stadtgesellschaft und Wissenschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Vereine, Initiativen sowie lokale Garten- und Umweltgruppen sollen aktiv in Planung, Pflege und Nutzung urbaner Grünflächen eingebunden werden. Gleichzeitig soll die Stadt die wissenschaftliche Expertise der Universität Bayreuth stärker nutzen. Auch Schulen, Kindergärten und Nachbarschaftsinitiativen können durch Patenschaften, Bildungsprojekte oder Mitmachaktionen einen wichtigen Beitrag leisten, um Grünräume lebendig zu halten und Umweltbewusstsein in der ganzen Stadt zu fördern.
Die Sanierung und Modernisierung der Bayreuther Schulen hat oberste Priorität. Die bestehende Prioritätenliste muss zügig abgearbeitet werden, damit moderne Lernwelten entstehen können. Wichtige Bausteine sind die energetische Sanierung, gut ausgestattete Klassenräume, saubere und gepflegte Toiletten und Waschräume sowie die konsequente Digitalisierung. Darüber hinaus sollen Schulhöfe entsiegelt, begrünt und naturnah gestaltet werden. Das schützt vor Hitze, verbessert das Lernumfeld und schafft mehr Raum für Bewegung, Erholung und gemeinsames Spielen. Die Stadt Bayreuth muss hierbei auch die finanzielle Unterstützung des Landkreises Bayreuth einfordern, der sich bisher nicht an den Kosten der Gebäudesanierung der 5 Gymnasien beteiligt. Aus dem Landkreis Bayreuth kommen jedoch ca. 50 % der Schülerschaft der Bayreuther Gymnasien.
Auch die Ganztagsangebote werden weiter ausgebaut. Die Stadt Bayreuth ist hier bereits auf einem guten Weg: Ein flächendeckendes Netz an Ganztagsschulen und flexiblen Betreuungsangeboten eröffnen Kindern und Jugendlichen die besten Chancen auf Bildung und persönliche Entwicklung.
Bayreuth verfügt über eine vielfältige Bildungslandschaft. Unsere weiterführenden Schulen, die Gewerblich-Technische und Kaufmännische Berufsschule, zahlreiche Berufsfachschulen, die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth des Bezirks Oberfranken, Universität und Kirchenmusikhochschule bieten hervorragende Chancen. Um unseren jungen Menschen einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen, muss eine enge Kooperation zwischen Schulen, Hochschulen und Unternehmen vorangetrieben werden.
Wir wollen, dass unsere Jugendlichen ihre Ideen auch in demokratischen Prozessen einbringen können. Mit der Wiedereinführung des Jugendparlaments erhalten Jugendliche und junge Erwachsene eine deutlich stärkere Stimme in unserer Stadt. Bis dahin sollen sie über Formate wie Pimp Your Town in einem „temporären Pop-up-Jugendparlament“ die parlamentarische
Demokratie kennenlernen und eigene Ideen einbringen können.
Kinder- und Jugendangebote sind zu erhalten und auszubauen: Spiel-, Bolz- und Sportplätze sind für uns wichtiger Teil eines modernen Stadtbilds. Sie müssen gepflegt und ausgebaut werden. Kreative Treffpunkte und Jugendzentren sind uns wichtig, Vereine und Jugendorganisationen sollen diese auch einfach für eigene Veranstaltungen nutzen können. Uns ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche konsumfreie Räume haben, an denen sie sich treffen und entwickeln können. Besonderen Fokus legen wir hier auf die Schokoladenfabrik als Sport-, Kultur-,
Veranstaltungs- und Betreuungsort. Sie muss endlich umfassend saniert werden.
Damit sich Familien in unserer Stadt wohlfühlen, braucht es auch die geeigneten sanitären Einrichtungen: öffentliche Toilettenanlagen in der Nähe von Spielplätzen und mehr Angebote für öffentliche Wickelplätze, insbesondere ein besseres Angebot für junge Väter.
Kapitel 6: Teilhabe und Soziales
Alle Bayreutherinnen und Bayreuther sollen die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Mit gezielten Maßnahmen fördern wir die Teilhabe und stärken die soziale Gerechtigkeit.
Wir werden prüfen, in welchen Quartieren die dauerhafte Einrichtung eines Quartiersmanagements sinnvoll ist. Quartiersmanagerinnen und -manager arbeiten vor Ort mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Gewerbetreibenden und Vereinen zusammen. Dazu gehören Angebote der Nachbarschaftshilfe, Unterstützung bei Anträgen, Begegnungsangebote für Jung und Alt sowie die Förderung von
ehrenamtlichem Engagement. Dieses dezentrale Arbeiten entlastet die Verwaltung und bringt Hilfen direkt zu den Menschen.
Straßen, Gebäude und digitale Angebote müssen barrierefrei gestaltet werden. Bei Straßen- und Gehwegsanierungen sollen Bordkanten konsequent abgeflacht und Blindenstreifen integriert werden. Auf Kopfsteinpflaster entstehen Lauf- bzw. Komfortstreifen, die Rollator- und Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern das Fortkommen erleichtern. Barrierefreiheit wird dabei von Anfang an als fester Bestandteil in die Stadtplanung einbezogen. Stärker als bisher werden in allen Fragen rund um Barrierefreiheit der Behindertenbeirat und die Selbsthilfegruppen von Betroffenen einbezogen.
Wer einen Sozialpass hat, zahlt beim Besuch städtischer Veranstaltungen und Museen, dem Besuch des Kreuzsteinbades, des Stadtbades oder des SVB-Hallenbades, von Volkshochschulkursen, in der Stadtbibliothek oder für den öffentlichen Lauf im städtischen Eisstadion nur die Hälfte des Eintrittspreises. Das sollten alle Berechtigten wissen und darüber informiert werden.
Der Pflegestützpunkt in der städtischen Bürgerbegegnungsstätte „Am Sendelbach“ leistet umfassende und unabhängige Beratung durch zwei städtische Mitarbeitende. Sie stellen alle relevanten Informationen und Angebote zentral bereit und ersparen Ratsuchenden viele Wege. Dieses Angebot gilt es nicht zur zu erhalten, sondern auszubauen.
Bayreuth soll auch in Zukunft über eine stabile und vielfältige Gesundheitsversorgung verfügen. Hierzu sollte:
- die Errichtung des Ersatzneubaus des Klinikums am bisherigen Standort zügig erfolgen,
- der Standort Hohe Warte ein fester Bestandteil des Angebots bleiben,
- die Versorgung vor Ort durch das ambulante Zentrum ergänzt werden,
- Hausarzt- und Facharztsitze erhalten werden, wobei der Erwerb durch die Klinikum Bayreuth GmbH nur erfolgt, falls ein Mitbewerber der Klinikum Bayreuth GmbH die Sitze kaufen möchte. Angestrebt werden soll allerdings die Übernahme durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte,
- die Stadt Bayreuth sich bei der Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) für die Schaffung neuer Kassensitze einsetzen,
- ein Netzwerk im Rahmen der Gesundheitsregion Bayreuth für die Bereitstellung und Vermittlung von Famulaturstellen geschaffen werden,
- die Gesundheitsförderung und Prävention durch Bewegungsparks und
Outdoortrainingsgeräte im öffentlichen Raum, z. B. neben dem Wasserspiel auf dem Stadtparkett oder neben Kinderspielplätzen und Bolzplätzen, ermöglicht werden, - Rehasportanbieter bei der Raum- und Wasserflächensuche unterstützt werden,
- auf gesunde Ernährung in städtischen KiTas, Schulen und Einrichtungen geachtet werden.
Wir wollen ein Bayreuth, in dem Integration nicht nur verwaltet, sondern gestaltet wird – gemeinsam, demokratisch und auf Augenhöhe.
Integration demokratisch gestalten – gemeinsam für ein vielfältiges Bayreuth: Bayreuth ist eine Stadt der Vielfalt. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bereichern unser Zusammenleben – in den Schulen, Vereinen, Unternehmen und Nachbarschaften. Doch echte Integration braucht mehr als nur gute Absichten: Sie braucht Mitbestimmung, Transparenz und verbindliche Strukturen.
Demokratie stärken – Integrationsbeirat wählen statt berufen: Der Integrationsbeirat unserer Stadt ist ein wichtiges Gremium, das die Interessen von Menschen mit Migrationsgeschichte vertreten soll. Doch bislang wird er berufen, nicht gewählt. Das widerspricht unserem Verständnis von demokratischer Teilhabe. Wir setzen uns dafür ein, dass der Integrationsbeirat
künftig durch freie und faire Wahlen bestimmt wird – von den Menschen, die er
vertreten soll.
Integrationsbeauftragte – ein Erfolg unserer Initiative: Dank unserer Anträge gibt es in Bayreuth bereits einen Integrationsbeauftragten. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Anliegen von Zugewanderten sichtbar zu machen und strukturell zu verankern. Doch das reicht nicht aus.
Mitwirkung statt Ignoranz – Stadtrat muss den Beirat anhören: Der Stadtrat ist verpflichtet, den Integrationsbeirat bei allen Fragen rund um Integration anzuhören und dessen Meinung einzuholen. Leider wird diese Verpflichtung bislang nicht umgesetzt. Wir fordern, dass der Beirat regelmäßig und verbindlich in Entscheidungsprozesse eingebunden wird – nicht nur
symbolisch, sondern mit echter Wirkung.
Integration ist Chefsache: Integration betrifft alle Bereiche des städtischen Lebens – von Bildung über Wohnen bis zur Teilhabe am Arbeitsmarkt. Deshalb muss Integration zur Chefsache
werden. Wir fordern, dass die Integrationsarbeit als Stabsstelle direkt der
Oberbürgermeisterin unterstellt wird. Nur so erhält sie die nötige politische
und organisatorische Bedeutung.
Stärkere Vernetzung mit kritischer Infrastruktur: Der Integrationsbeirat muss enger mit wichtigen Schnittstellen wie Polizei, Schulen, sozialen Einrichtungen und der Verwaltung vernetzt werden. Nur durch frühzeitige Kommunikation und Zusammenarbeit können Probleme erkannt und gemeinsam gelöst werden.
Arbeitsmarktzugang erleichtern – lokal unterstützen: Auch wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene liegen, kann die Stadt Bayreuth lokal viel bewegen. Wir fordern Kooperationen mit Jobcenter, Kammern, Unternehmen und Bildungsträgern, um Programme zu fördern, die Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten den Einstieg in Arbeit und Ausbildung erleichtern – z. B. durch Praktikumsbörsen, Mentoring,
Anerkennungsberatung und niedrigschwellige Qualifizierungsangebote.
Leitlinienprozess – Strategie mit Wirkung: Der aktuelle Leitlinienprozess zur Integration ist ein wichtiger Schritt. Doch wir fordern, dass es nicht bei einem Strategiepapier bleibt. Die erarbeiteten Ziele müssen in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden – mit klaren Zuständigkeiten, Zeitplänen und Ressourcen. Die Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und zivilgesellschaftlichen Akteuren soll dabei fortgeführt
und gestärkt werden.
Die alljährliche Bürgerversammlung braucht ein Update. Statt reiner Frontalinformation sollten Formate geschaffen werden, die mehr Austausch ermöglichen – zwischen Stadtspitze, Referentinnen und Referenten, Dienststellenleitungen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Der Bürgerrat zur Erarbeitung von Lösungen, um den Stadtteil St. Georgen/Burg besser vor den Folgen extremer Hitze schützen zu können, könnte hierbei Vorbild sein. Wann immer ein Quartier umgebaut oder neu gestaltet wird: Mit Quartiersrundgängen und
Informationsveranstaltungen wollen wir die Bayreutherinnen und Bayreuther frühzeitig beteiligen.
Kapitel 7: Kultur und Sport
Kultur in Bayreuth spielt sich nicht nur auf den großen Bühnen ab. Sie wächst auch in Projekträumen, Clubs, auf Straßen und in Ateliers – dort, wo Bayreutherinnen und Bayreuther ihre Stadt täglich neu gestalten. Diese lebendige Subkultur ist ebenso Teil unserer Identität wie die Bayreuther Festspiele. Wir wollen Bayreuth als herausragende Kulturstadt weiterentwickeln zu einer vielfältigen Weltkulturstadt, in der lokale Kreativität auf globale Einflüsse trifft: Von afrikanischer Kunst über amerikanische Street Art bis zu den kulturellen Impulsen, die durch
die Universität, Unternehmen, Institutionen sowie Bürgerinnen und Bürgern in unsere Stadt getragen werden.
Das Friedrichsforum soll nicht nur ein Veranstaltungsort für große Kulturformate sein, sondern als Haus für alle Bayreutherinnen und Bayreuther genutzt werden können. Wir wollen es zu einem Ort machen, an dem Hochkultur, Subkultur, Jugendkultur, Vereine und Initiativen gleichermaßen Platz finden – ein Herzstück im Zentrum der Stadt, das Offenheit und Vielfalt repräsentiert.
Aber auch die lokale Genuss- und Industriekultur gehört zur Weltkulturstadt Bayreuth. Die Genussregion Oberfranken ist bereits als immaterielles Welterbe anerkannt, und auch die Industriegeschichte unserer Region ist weltweit von Bedeutung. Zur kulturellen Vielfalt und Stärke unserer Stadt gehört zudem besonders die alternative Musik-, Feier- und Clubkultur, welche gleichrangig mit den vorgenannten Kultursparten gefördert werden soll. Diese Vielfalt von lokaler, europäischer und globaler Kultur macht Bayreuth einmalig.
Weltkulturstadt zu sein bedeutet aber auch Verantwortung für das deutsche Wirken in der Welt zu übernehmen, insbesondere die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, bei dem Bayreuth eine zentrale Rolle gespielt hat. Als Kultur- und Bildungszentrum des Nationalsozialismus muss unsere Stadt offensiv Aufarbeitung betreiben und bis zum Jahr 2033 ein international beispielhaftes NS-Dokumentationszentrum aufbauen. Dieses Gedenkjahr ist gerade in den heutigen Zeiten eine Verpflichtung.
Auch der europäische und deutsche Kolonialismus, der bereits in der Barockzeit begonnen hat, und in den Bayreuth seit der Industrialisierung direkt oder indirekt involviert war, muss aufgearbeitet werden. Globalisierung heißt auch hier, Verantwortung zu übernehmen und dem Thema Raum zu geben.
Wir wollen diese Kulturvielfalt vernetzt und digital denken und dabei Museen, Stelen, öffentliche Kunstwerke und weitere Orte und Informationen innovativ miteinander verbinden. Kultur und Geschichte sollen so zu einem spartenübergreifenden Erlebnis werden, hierfür sollen übergreifende Tickets und Veranstaltungen ausprobiert und gefördert werden. Es sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, historische Gebäude zu erhalten und in kreativer Weise
umzunutzen – Pilotprojekte wie die Schokofabrik zeigen, dass es einen Bedarf an alternativen Räumen gibt.
Unser Ziel ist es, durch die enge Zusammenarbeit von Handel, Gastronomie, Innenstadtbewohnerinnen und -bewohnern sowie Kulturschaffenden ein lebendiges Abendangebot zu schaffen. Dazu gehören regelmäßige Märkte mit regionalen Produkten und Streetfood, ergänzt durch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen. Themenabende, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – etwa Streetfood und Jazz, Handwerk und Design oder Jugendkultur – machen die Vielfalt der Innenstadt sichtbar.
Im Mittelpunkt stehen der lokalen Handel und Gastronomie, die Vorrang erhalten. Externe Anbieter sollen nur dort einbezogen werden, wo sie das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen. Die Stadtverwaltung unterstützt gemeinsam mit der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH bei Organisation, Genehmigung und Marketing, während Händlerinnen, Händler und Gastronomen an der Programmgestaltung aktiv mitwirken.
Durch eine regelmäßige Durchführung – beispielsweise einmal im Monat in den Sommermonaten – entsteht Verlässlichkeit und Wiedererkennbarkeit. Die Finanzierung erfolgt über den Innenstadtfonds (siehe Kapitel 1.5). Dabei werden rechtliche Vorgaben wie Lärmschutz und Sicherheitsauflagen von Anfang an berücksichtigt, um Akzeptanz bei den Anwohnerinnen und Anwohnern zu sichern und Planungssicherheit zu gewährleisten.
Sport und Freizeitangebote sind zentrale Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Unser Ziel ist es, bestehende Strukturen zu sichern, Vereine zu unterstützen und insbesondere den Breitensport zu fördern. Dazu gehören bezahlbare Sportanlagen, ausreichende Schwimmmöglichkeiten sowie Räume für ehrenamtliches Engagement. Sport ist kein Luxus, sondern Teil der Daseinsvorsorge – dazu zählen auch Gaming und E-Sport, die wir als gleichwertige Sportarten anerkennen.
Sportvereine haben in Bayreuth eine lange Tradition. Viele sind aus der
Arbeiterbewegung hervorgegangen und bilden bis heute einen wesentlichen Pfeiler des Ehrenamts. Wir fördern deshalb die Zusammenarbeit von KiTas, Schulen und ortsansässigen Vereinen – eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Ergänzend
schaffen wir ein Online-Portal für die Belegung städtischer Sportstätten durch Schulen und Vereine. Darüber hinaus ergänzen wir die „Richtlinien zur Gewährung von Zuschüssen für Baumaßnahmen an Sportvereine der Stadt Bayreuth“ (Schwerpunktprogramm) und fördern nicht nur Neubauten und Erweiterungen, sondern auch die Sanierung bestehender Sportstätten.
Schwimmen lernen rettet Leben, ist gesund und gilt historisch als Errungenschaft sozialer Gerechtigkeit. Daher setzen wir uns für den Erhalt von Wasserflächen ein, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zur Verfügung stehen und den Generationen übergreifenden Breitensport sichern.
Auch das Bayreuther Sportfestival wollen wir weiterentwickeln, um möglichst vielen Vereinen die Chance zu geben, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
